Alles Roger In Kambotscha
Obwohl ich diesen Titel ja tunlichst vermeiden wollte, stimmt es, dass er auf jeden Fall her muss!
In der Frueh mit dem Taxi zum Nordbusbahnhof von Bangkok gefahren; zum Glueck ist mein 1.-Klasse-Bus (Klimaanlage, Fernseher - Thai-Sitcom gespielt - und nachher Thaimusik, ein Becher Wasser) gleich abgefahren (8:30 Uhr); war der einzige Tourist im Bus. Nach 4 1/2 Stunden Aranyaprathet erreicht, die thailaendische Grenzstadt zu Kambotscha. Von dort mit dem Tuktuk zur 5km entfernten Grenze gefahren (habe 3 Vietnamesinnen mitgenommen und - Gentleman wie ich nun mal bin - sie auf die Fahrt eingeladen).
Dann ging es aber schon los. Am Grenzuebergang zwischen Thailand und Kambotscha: ueberall Haendler, bettelnde Kinder und Taschendiebe, die einem nicht mehr in Ruhe lassen, sobald man auch nur ganz kurz hingeschaut hat. Durch festeres Schlagen auf die Finger, konnte ich gerade noch verhindern, dass einer von ihnen seine Hand in meine seitliche Hosentasche stecken konnte, nachdem er bereits deren Zip geoeffnet hatte. Nach einem Zuwerfen meines sehr, sehr boesen Blickes ist er dann ziemlich schnell ohne Beute davon.
Der Unterschied zwischen Thailand und Kambotscha ist gewaltig. Kaum ueber der Grenze, sieht man ueberall nur noch hinter sich herzuziehende Holzwaegen (mit 1 1/2 m grossen Holzraeder), Pick-ups und ganz viele Mopeds. Ausserdem sind die Strassen nicht mehr asphaltiert (ausser hie und da die Hauptstrasse in den groesseren Orten). Die Armut ist richtig spuerbar. Und dann sind hier noch dazu die Preise (ich meine nicht die "Touristenpreise" sondern die Grundnahrungsmittel) deutlich hoeher als im reicheren Thailand, da Kambotscha ziemlich viele Sachen teuer aus den Nachbarlaender importieren muss.
Nun gut - bin dann entlang der Hauptstrasse gegangen. Leider habe ich mich nicht getraut, Photos zu machen - einzig aus der Huefte heraus -, da ich auch schon ohne Kamera genug aufgefallen bin. Habe dann ein Pick-up gefunden. Wir sind zu siebent damit gefahren (ausser mir alles nur Einheimische). Zu siebent!?! Damit meine ich nur die Passagiere (inkl. Fahrer) auf den vorderen 2 Reihen im Fahrerraum (der aeltere Herr neben mir haette vielleicht anders dreingeschaut, haette er nicht auf der Kupplung sitzen muessen). Hinten auf der Ladeflaeche sind noch einmal mind. 15 mitgefahren. Das ist jetzt keine Uebertreibung. Die sitzen hier ueberall, wo noch Platz ist. Uns sind Pick-ups entgegengekommen, wo die Passagiere auf der Motorhaube (!) mitfuhren. Drei Leute auf einem Moped ist hier der Durschnitt. Und auf einer Plane eines LKWs laesst es sich auch gemuetlich sitzen/liegen. Irgendwo bei Sisophon musste ich dann in ein anderes Pick-up umsteigen, welches mich dann bis Siam Reap brachte. In diesem Pick-up traf ich seit langem wieder auf "Touristen". Ein Paerchen aus England teilte sich mit zwei Kambotschanerinnen die Rueckbank. Diesmal musste ich die beiden vorderen Sitze nur noch mit dem Fahrer teilen.
Die ca. 160 km von der Grenze bis Siam Reap benoetigten insgesamt 5 Stunden. Warum? Es gibt so gut wie keinen Asphalt. Und die wenigen Kilometer (sicher an einer Hand abzaehlbar), wo es doch (sowas aehnliches wie) Asphalt gibt, sind genauso wie die restliche Lehmfahrbahn mit Schlagleochern (untertrieben -> eigentlich Schlaggruben) uebersaeht. Habe es nicht geschafft, einen Schluck Wasser zu nehmen, ohne das ganze Auto voll zu spritzen. Jeden Kilometer ist ein LKW am Strassenrand gestanden, wo der Fahrer die Reifen wechseln musste.Vom Komfort her war das sicher die schrecklichste Fahrt meines Lebens. Aber von dem, was ich gesehen habe, sicher die eindruckvollste (und das, ohne besondere Lichtverhaeltnisse). Kuehe, Wasserbueffel, Schweine, Enten, Huehner, ... neben/auf der Fahrbahn; Kinder in Tuempeln badend; daneben gleich Hinweisschilder, die auf die Landminen hinweisen (diese Schilder standen alle 100 Meter links und rechts neben der Fahrbahn); Bauer, die die Felder bestellen; ...! Da gaebe es so viel zu berichten, womit ich Euch (jetzt) nicht belaestigen will. Aber eines: Kambotscha ist ein sehr schoenes Land. Auch sehr heiss, auch sehr schoen!
In Siem Reap angekommen (die Stadt, die Ausgangspunkt zu den beruehmten Tempeln von Angkor ist) bin ich mit dem Moto zu einem vom LonelyPlanet empfohlenen Quatier gefahren.
Das Quatier ist recht ok. Sofort eine kalte Dusche genommen. Danach in die Stadt rein zum Abendessen. Auch hier ueberall bettelnde Kinder und von Minen verkrueppelte Menschen. Wollte einem bettelnden Buben was zum Essen kaufen (hungry, hungry). Im Geschaeft angekommen, wollte er den teuersten und groessten Sack von irgend so einem Spezialmehl haben. Sicher nicht! Hab ihm angeboten, was anderes zu nehmen, doch das wollte er nicht. Dann halt nicht.
Bin schwer am Ueberlegen, ob ich Phnom Pehn nicht streichen sollte. Hauptgrund ist, dass ich befuerchte, sonst fuer Thailand zu wenig Zeit zu haben, da allein An- und Abreise nach Phom Penh mir zwei Tage kosten wuerde (auf aehnlichen Strassen wie heute). Da waere es sicher fuer mich angenehmer, mehr Zeit an einzelne Orte zu verbringen und diese dafuer intensiver zu erleben. Schaun `ma mal! Haengt auch davon ab, wieviele Tage ich in Siam Reap bleibe (2 oder 3).
Bis demnaechst,
Basti!

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